Wir sind die Nacht

Titel: Wir sind die Nacht (Filmausgabe)
Autor: Wolfgang Hohlbein
Verlag: Heyne
Originalsprache: Deutsch
Erschienen: 11.10.2012
Taschenbuch 606 S.
Preis: 12,99€
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„Wir sind die Nacht“ ist der auf dem Drehbuch basierende Roman zum gleichnamigen deutschen Film von Dennis Gansel aus dem Jahr 2010 mit Karoline Herfurth(Lena), Max Riemelt(Tom), Anna Fischer(Nora), Jennifer Ulrich(Charlotte) und Nina Hoss(Louise) in den Hauptrollen.

Erster Satz:

Die Gulfstream flog zu tief und zu schnell, so als wollte sie verzweifelt vor dem Gewittersturm fliehen, dessen letzte Ausläufer sie eine Viertelstunde zuvor hinter sich gelassen hatten.

Inhalt:

Die 20-jährige Lena muss sich und ihre alkoholsüchtige Mutter mit Diebstählen über Wasser halten. Doch als sie einem russischen Zuhälter die Brieftasche klaut, gerät sie in eine Falle der Polizei. Der junge und äußerst attraktive Polizist Tom folgt ihr, stellt sie-und lässt sie wieder entkommen. Als Lena eines Nachts in einer Berliner Edeldisco auf Louise trifft und diese sie auf der Damentoilette beißt, verändert sich ihr Leben schlagartig. Denn Louise ist eine uralte mächtige Vampirin und zusammen mit Nora und Charlotte macht sie die Nacht unsicher-und sie will um jeden Preis, dass Lena sie liebt. Zuerst genießt Lena den neuen Luxus, die Partys und die grenzenlose Freiheit, aber dann macht ihr der Blutdurst ihrer Gefährtinnen immer mehr zu schaffen. Gleichzeitig sind ihnen Lenas Schwarm Tom, die Polizei und Stephan, der Anführer der männlichen Vampire, mit seinen Sohn Anton, die es sich zum Ziel gemacht haben, Lena zu töten, auf der Spur. Als die Möglichkeiten immer weniger werden, flieht Lena zu Tom und offenbart sich ihm. Aber hat sie überhaupt die Wahl, sich zwischen einem halbwegs normalem Leben mit Tom und einem typischem Vampirleben zu entscheiden?

 

Meine Meinung

 

Handlung:

Erst nachdem ich den Film gesehen habe, fing ich an, das Buch zu lesen. Am Anfang unterscheiden sich Film und Buch nicht wirklich, aber das Ende ist im Buch ganz anders-und gefällt mir sehr gut, obwohl ich offene Enden eigentlich nicht mag. Film und Buch spielen beide in Berlin, sind sehr zeitgemäß und bedienen sich den typischen Eigenschaften eines Vampirs: übermächtiger Blutdurst, Spezialkräfte und äußerst sonnenscheu. In „Wir sind die Nacht“ bilden die Frauen die Übermacht, da sich die männlichen Vampire größtenteils gegenseitig ausgelöscht haben. Außerdem kann nicht jeder zum Vampir werden, sondern man muss eine Gabe haben, die man in den Augen sehen kann, wie sie auch Louise bei Lena bemerkt hat. Diese Ideen sind neu und sehr interessant. Hohlbein baut die Spannung sehr gekonnt auf und (fast) alle meine Fragen wurden zum Ende hin beantwortet. Allerdings gibt es ein paar logische Fehler, z.B. dass Lena plötzlich Auto fahren kann-mit Automatik-obwohl sie vorher nie gefahren ist. Die super Story von den vier Vampirinnen macht dies aber locker wieder wett:) Auch die Schattenseiten des Vampirlebens und Lenas Zweifel an ihren Gefährtinnen, ihrem neuen Ich und die moralische Frage, ob dieses Leben mit Luxus, Party und Blut so richtig ist, werden neben der Rahmenhandlung sehr gut beschrieben. Zusätzlich wird die blutige und harte Vampirstory durch die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen Tom und Lena entwickelt, abgemildert.

 

Charaktere:

Sind alle sehr gut beschrieben, tiefgründig und man kann sie sich richtig bildlich vorstellen-auch ohne den Film zu kennen. Geschrieben ist das Buch aus Lenas Perspektive, die von ihren ersten Tagen als Vampir erzählt.

Lena, die in ihren schmutzigen und alten Sachen gut als Junge durchgeht, lebt zuerst zusammen mit ihrer Mutter in einer Bruchbude und wird von ihrem schmierigen Bewährungshelfer Holder erpresst. Nachdem Louise sie gebissen hat, fällt es ihr schwer, sich an den Luxus zu gewöhnen und hat Bedenken, besonders da Louise Interesse an ihr zeigt. Auch der starke Blutdurst und die seltsamen, grauenhaften Kreaturen, die in den drei Vampirfrauen zu hausen scheinen, hindern Lena daran, ihr neues Leben zu genießen- sehr zu Louises missfallen. Sie gefällt mir sehr gut, auch wenn sie manchmal etwas naiv und schwer von Begriff ist. Man kann sich gut in ihre Lage hineinversetzen und fragt sich oft selbst, wie man handeln würde.

Louise wird als mächtige Vampirin, deren genaues Alter nicht bekannt ist, dargestellt. Edel und reich gekleidet begeht sie kaltblütig Morde und versucht, Lena an sich zu binden. Zu Louise habe ich in diesem Buch mit am wenigsten Zugang gefunden. Ihre Stimmung kann sehr schnell umschlagen und sie wirkt oft distanziert, kalt und grausam und schreckt auch im Umgang mit Lena nicht vor Gewalt zurück.

Die nachdenkliche, anfangs distanziert wirkende und immer lesende Charlotte hat mich mit am meisten fasziniert. In den 20er Jahren durch Louise zur Vampirin geworden, hegt sie innerlich einen Groll gegen diese. Im Film ist sie immer in schwarze, elegante, aber altmodische Kleider und eine geheimnisvolle Aura gehüllt und erinnert mich irgenwie an eine Raubkatze. Doch im Verlauf des Buches wird sie mir immer sympathischer, sie beginnt Lena zu helfen und ist diejenige, die Lena am Meisten über das Vampirleben aufklärt. Ihr großes Geheimnis und die Frage, warum sie immer so nachdenklich und unglücklich, lüftet sich erst gegen Ende. Dies war eine Szene, die mich sowohl im Buch als auch im Film berührt hat.

Nora ist die Dritte der Vampirfrauen und neben Lena die Jüngste, gebissen auf der Loveparade. Sie ist schrill, abgedreht und extravagant und verhält sich oft wie ein kleines Kind-sie quengelt und schmollt, will immer ihren Willen durchsetzten und macht oft Ärger. Passend dazu mag sie schnelle Autos und wilde Parties. Im Film bleibt es bei dieser Seite, mit der sich Lena ganz gut versteht, aber im Film wird auch die Seite gezeigt, wo sie Lena hinterherspioniert und ihr Dinge verheimlicht. Diese zusätzliche negative Seite macht sie aber interessanter und sie wirkt realer.

Wenn ich Tom im wirklichem Leben treffen würde, würde er mir auch sehr gut gefallen. Er ist mutig und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lena näher zu kommen und ihr zu helfen.Der fast 25-jährige Polizist vernachlässigt dazu sogar seine Pflicht, deshalb wird er im Film sogar von seinem Kollegen verhaftet. Er lässt sich nicht von Lenas Natur, ihrem anfangs derben Verhalten oder den drei Vampirinnen abschrecken, sondern versucht,  ihr immer zur Seite zu stehen.

Auch die Nebencharaktere und grade die „Bösewichte“ wurden gut beschrieben und man kann sie sich fast bildlich vorstellen. Besonders gelungen fand ich Lenas jüngeren Nachbarn Mehmet, der leider ein tragisches Ende findet, und Lenas Mutter, die in ihrem Wohnzimmer ein Nagelstudio betreibt.

 

Schreibstil:

Hohlbeins Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, obwohl er recht ausführlich ist. Dennoch wird er nie langweilig und man wird schnell in den Bann des Buches gezogen. Er hat eine tolle Art, die Spannung aufzubauen und hält diese Spannung dann auch. Beginnen tut er mit einem Prolog, in dem das Vampirtrio sämtliche Leute in einem Flugzeug ermordet hat und dann gemeinsam in anderthalbtausend Metern Höhe aus dem abstürzendem Flugzeug springt. Die ersten 3 Seiten beschreibt er, wie  das Flugzeug wackelte und bebte, seine Passagiere sich aber nicht rührten. Eine unheimliche und seltsame Stimmung wird erzeugt, indem er Sätze wie „Die Gulfstream lag im Sterben.Zwar gab es niemanden, der ihre Wunden hätte sehen können, aber sie waren trotzdem tödlich.“ Als er mit dem Satz „Der Gestank nach Tod und warmen Blut lag in der Luft, so durchdringend, dass selbst die Klimaanlage davor katapultiert hatte,…“  beginnt, wird spätesten dann jedem klar, dass etwas Schreckliches an Bord ist, dass alle getötet hat-Auftritt für die drei Vampirinnen, die nur äußerlich beschrieben werden und deren Namen nicht genannt werden, aber es trotzdem klar ist, um wenn es sich handelt.

 

Cover:

Das Filmcover gefällt mir sehr gut und es passt definitiv zum Buch. Schade finde ich nur, dass Nora nicht abgebildet ist, da sie für mich mit eine der besten Charaktere im Buch war, und da sie Teil von Louises ursprünglichem Vampirtrios war.

 

Fazit:

Gute Arbeit, Herr Hohlbein;-) Story und die tollen Charaktere gleichen die kleinen Logikfehler voll aus! 5 von 5 Punkten

 

Über den Autor:

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Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Seit er 1982 gemeinsam mit seiner Frau Heike Hohlbein den Roman „Märchenmond“ veröffentlichte, arbeitet er hauptberuflich als Schriftsteller im Bereich Thriller, Krimis, historische Romane und Science-Fiction. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren überhaupt und hat eine große Fangemeinde. Gemeinsam mit seiner Familie lebt er in der Nähe von Düsseldorf.

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