Sokrates Lieyes

Titel: Sokrates Lieyes-Gesamtausgabe der Sokrates Trilogie
Autor: Meyer Lutterloh
Verlag: Styleinvest LTD Publishing Division
Originalsprache: Deutsch
Erschienen: 24.11.2013
Taschenbuch, 640 Seiten
Preis: 17,99€
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Erster Satz:

Seit dem traumatischen Erlebnis vor drei Jahren hatte sie sich zwangsläufig oft  über den Tod Gedanken gemacht-vor allem über den gewaltsamen Tod, herbeigeführt durch einen Mörder.

 

Inhalt:

Am 16.April.2014 wird die Privatbank Genf AG in Washington überfallen. Der Täter de Santiano, ein ehemaliger CIA-Agent, nimmt mehrere Geiseln, darunter auch Michael von Karlsberg, dessen Frau und die Tochter. Als das FBI von dem Überfall erfährt, umstellt es sofort das Gebäude, Scharfschützen gehen auf ihre Positionen und die Agenten Okeanos und Rodriguez versuchen mit dem Täter zu verhandeln. Doch die Situation gerät außer Kontrolle, den Troy Turner, der sich ebenfalls ungesehen von de Santiano in der Bank befindet, filmt als Journalist das Ganze und stellt es sofort online. De Santiano merkt dies jedoch und geht auf Turner los, kann aber durch einen Kopfschuss des Scharfschützen getötet werden. Anis von Karlsberg und ihre Tochter sterben jedoch aufgrund der Bomben, die de Santiano mithilfe eines Halsbandes um ihre Hälse gelegt hat. Turner filmt die Szene, als Michael von Karlsberg zu den geköpften Leichen seiner Familie geht-und einige Tage später wird das ganze Filmmaterial in einer großen Fernsehshow eingesetzt. Auf den Tag genau drei Jahre später werden Agentin Okeanos und ihre FBI-Kollegen von SOKRATES kontaktiert. Dieser hat eine Frau in seiner Gewalt und hält sie auf grausame Art gefangen. Er fordert, dass der Journalist Troy Turner mit einer Cyberbrille versehen an einen bestimmten Ort gebracht werden soll. Dort stoßen sie auf die schrecklich zugerichtete Leiche von Frau Stein, die ebenfalls vor drei Jahren während des Banküberfalls Geisel des Täters war. Später veröffentlicht SOKRATES sogar das Video der brutalen und langen Folter auf seiner Website im Internet-die ganze Welt kann das Video nun sehen und das FBI gerät mächtig unter Druck, den äußerst raffinierten und scheinbar skrupellosen Täter zu finden. Als dann auch noch Rodriguez und der Scharfschütze verschwinden, herrscht Alarmstufe rot. Okeanos ist gezwungen, Journalisten und Verdächtigen an den Ermittlungen teilnehmen zu lassen-sowie Millionen von Internetusern, die nach und nach sogar mit über das Leben der Vermissten entscheiden können.

Meine Meinung

Handlung:

Das erste Kapitel, die grausame Folterung einer Frau und deren Tod, konnte ich erst nach diesem Überfall einordnen. Bereits ab diesem ersten Kapitel wurde aber eine wahnsinnige Spannung aufgebaut, die sich über das ganze Buch zieht. Den ersten Teil, den Banküberfall, fand ich super. Durch die Perspektivenwechsel erfährt man sowohl aus Sicht des Täters, der Opfer und der Agenten vielfältige Informationen und Schilderungen. Trotzdem verliert man nie den Zusammenhang zwischen den parallel laufenden Handlungen und es wird nie zu viel oder zu komplex.  Schon hier wird die Frage nach der Moral gestellt, die SOKRATES ja sehr zu beschäftigen scheint, und ich als Leser bin richtig in das Buch reingezogen worden und habe mit nachgedacht und gegrübelt. Besonders als drei Jahre nach dem Banküberfall der Mörder SOKRATES das Morden beginnt, habe ich über Täter und Motiv gerätselt.  Diese Frage finde ich sehr wichtig, schließlich bestimmt sie unsere Handlungen und macht uns zu dem, was wir sind. Hätte SOKRATES den Banküberfall vielleicht anders verarbeitet und andere Schlüsse gezogen, wäre es vielleicht gar nicht zu den Morden gekommen. Diese Überlegung ist interessant und auch jetzt nach dem Lesen mache ich mir mehr Gedanken über diese Frage als sonst.: „Was wäre, wenn…?“ Das SOKRATES die Medien benutzt, um die Öffentlichkeit zu erreichen und ihnen anscheinend die Augen für etwas öffnen will, spricht ebenfalls ein sehr sensibles und interessantes Thema an. Den Millionen von Zuschauern schauen sich aus wahrscheinlich unterschiedlichsten Gründen die Morde online an-aus Ekel, weil sie es gut finden, weil es mal was völlig Neues ist oder weil es einfach alle machen. Entscheidend ist jedenfalls, dass sie es anschauen. Dies fand ich sehr faszinierend, damit kritisiert er ja auch irgendwie die Gesellschaft und man bekommt einen Einblick in menschliche Abgründe-nicht nur in die des scheinbar grausamen Mörders. Hier stellt man sich schon die Frage, ob das Internet und die Medien mittlerweile nicht schon zu viel Macht gewonnen haben. Schließlich fordert SOKRATES die Menschen ja auch auf, aktiv teilzunehmen und nicht nur zu beobachten. Außerdem kann ein Mensch mithilfe der modernen Technik seine Spuren verwischen und schreckliche Dinge tun. Die Nutzung des Mediums Internet sorgt im Buch aber auch für eine wahnsinnige Spannung: Er setzt das FBI wahnsinnig unter Druck und scheut sie von Tatort zu Tatort, stellt scheinbar merkwürdige Forderungen und Rätsel. Aber worauf will er hinaus? Durch Agentin Okeanos Perspektive merkt man diesen Druck besonders gut, die Ermittlungen laufen eher schleppend und so greift die eigentlich pflichtbewusste Beamtin sogar zu illegalen Mitteln. Dem Täter wirklich näher zu kommen scheinen sie allerdings auch nicht. Der Hauptverdächtige, Michael von Karlsberg, steht vor Okeanos, als diese mit SOKRATES telefoniert, deshalb scheint er entlastet. Die Ermittlungen werden hautnah beschrieben und ich hatte oft das Gefühl, Okeanos, Baker und Smith bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Jedoch passieren immer wieder ungeahnte Dinge und SOKRATES sorgt für die eine oder andere Überraschung. So habe ich meinen Hauptverdächtigen immer wieder mal für unschuldig gehalten, dann wieder nicht. Der Autor versteht es gut, den Leser zu verwirren;) Die Gespräche zwischen Baker und einer Freundin haben aber auch einigen Humor und Ironie in die Geschichte gebrachtJDer Showdown zum Ende ist grandios. Die Spannung ist noch mal richtig gestiegen, allerdings gibt es ja dann doch ein halbwegs positives Ende. Dieses hat mir jedenfalls sehr gut gefallen und der fiese Cliffhanger lässt mich schon gespannt auf den 2.Teil warten.  Jedenfalls 5 von 5 Punkten.

 

Charaktere:

Special Agent Messine Okeanos ist hochintelligent und normalerweise als Beamtin sehr pflichtbewusst. Dieser Fall treibt  jedoch selbst sie an ihre Grenzen und man lernt auch ihre weiblichen und nachdenklicheren Seiten kennen, nicht nur die kalte und eher emotionslose FBI-Agentin. Wie jeder Mensch macht auch sie Fehler, die ihr später ziemlich zusetzten, dass sie aber mal auf ihre Gefühle gehört hat, macht sie mehr nochmal mehr sympathisch, obwohl sie dies mir eigentlich schon von Anfang an war. Ihren Partner Smith und das Computergenie Baker mochte ich allerdings auch sehr gerne! Beide geben oft sarkastische Kommentare von sich und Baker trägt mit den größten Teil des Ermittlungserfolgs. Seine Telefonate mit seiner Ex-Freundin Sunny sind sehr unterhaltsam und man erfährt viele interessante Informationen über das Medium Internet. Den Vorgesetzten von Okeanso, Baker und Smith, Edward MacCluskey, der eine Art Ziehvater für Okeanos ist, konnte ich ebenfalls sehr gut leiden. Er trifft meist die richtigen Entscheidungen seine Agenten betreffend, deckt ihnen vor anderen Leuten und Behörden aber auch immer den Rücken. Dies finde ich super;)

Troy Turner fand ich als skrupellosen Journalisten sehr unsympathisch, ebenso wie seinen Partner Farrow, als Menschen an sich fand ich ihn aber eigentlich ganz ok und als Vater und Ehemann hat er mir am Ende richtig leidgetan. Seine Gespräche mit Michael von Karlsberg waren meist sehr von der Frage nach der Moral geprägt, jedoch wurde er für mich nie tatverdächtig. Michael von Karlsberg hingegen konnte ich nicht wirklich leiden, auch wenn er für Okeanos starke Gefühle zu haben scheint und seine Familie verloren hat. Jedoch finde ich ihn oft ziemlich unberechenbar und unheimlich und ich war mir sicher, dass er noch irgendwelche Geheimnisse verbirgt, was sich ja dann auch als richtig erwiesen hat, auch wenn ich sie mir eher anders vorgestellt habe.

Alice ist die Freundin des toten de Santiano und ist wie er ebenfalls Ex-CIA-Agentin. Zusammen mit ihm und dem Geld wollte sie fliehen und ein neues Leben anfangen, nach dem finalen Rettungsschuss und der Tötung ihres Freundes will sie aber nur noch eins: Rache.

SOKRATES wir von dem Psychologen Dr.Blumberg als intelligenter Täter analysiert, der ein umfangreiches Technikwissen besitzt und der bei seinen äußerst gut durchdachten und geplanten Morden besonders den philosophischen Aspekt berücksichtigt. Allerdings ist für ihn auch die Zugänglichkeit der Informationen über die Morde an die Öffentlichkeit sehr wichtig, er will deren Aufmerksamkeit und will etwas mit seinen Taten bewirken und verändern und nicht so schnell vergessen gehen. Sein wirkliches Motiv, das gegen Ende rauskommt, kann ich sehr gut mit der Person in Verbindung bringen, allerdings kam dieser Täter für mich nicht wirklich überraschend.

Alle Charaktere wirken gut durchdacht und wirken sehr authentisch. Es waren keinesfalls zu viele Protagonisten und so gibt es von mir für die Charaktere 5 von 5 Punkten.

 

Schreibstil:

Der Schreibstil war super, flüssig und angenehm zu lesen, zugleich aber auch sehr detailliert. Die Gebäude, Umgebung und Personen konnte man sich aufgrund der Beschreibungen sehr gut vorstellen, die Mord- und grausameren Szenen werden aber nicht allzu gut beschrieben, viel bleibt der Fantasie überlassen. Die Kapitel sind meist eher kurz, es gibt sehr viele Perspektivenwechsel, durch Orts- und Zeitangaben unter der Kapitelzahl werden Verwirrungen aber ausgeschlossen und man verliert nie den roten Faden der Handlungen. 5 von 5 Punkten.

 

Cover:

Das Cover ist einfach spitze! Die schwarze Cyberbrille, die eine tote Frau spiegelt, auf dem weißen Hintergrund und die Blutflecken, dazu noch die blutrote Schrift. Passt perfekt zum Inhalt des Buches;) Ebenfalls 5 von 5 Punkten.

 

Fazit:

Hochspannung und ein brillanter Täter, der es schafft, Öffentlichkeit und auch den Leser auf sich aufmerksam zu machen und aufzuwecken. Das Buch ist für Krimiliebhaber kaum aus der Hand zu legen, allerdings ist es nichts für Warmduscher. Mich hat es aber echt in seinen Bann gezogen, fasziniert und zum Nachdenken gebracht! Also 5 von 5 PunktenJ

 

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