Alessas Schuld


Titel:
Alessas Schuld
Autor: Brigitte Blobel
Verlag: Arena Life
Originalsprache: Deutsch
Erschienen:Januar 2012
Taschenbuch, 232 Seiten
Preis: 5€
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Die Geschichte eines Amoklaufs

Erster Satz:

Alessa spürte, dass sie jemand beobachtete.

Inhalt:

Alessa ist neu in der Stadt. Dass jedoch ausgerechnet Ulf ihre Freundschaft sucht, ist ihr unangenehm. Der Außenseiter und Einzelgänger scheint total fixiert auf sie fixiert zu sein und Alessa traut sich nicht, ihn zurückzuweisen. Erst als sie sich mit der exzentrischen Vicky anfreundet und sich in Philipp verliebt, bringt sie genug Mut auf, um den ihr mittlerweile richtig unheimlich gewordenen Ulf abzuweisen. Unbewusst löst sie damit eine Katastrophe aus: Ulf läuft Amok.

 

Meine Meinung:

 

Handlung:

Die Geschichte ist aus Alessas Sicht geschrieben und wechselt zwischen Vergangenheit, wo sie von ihren Begegnungen mit Ulf, ihrer Freundschaft mit Vicky und ihrer Verliebtheit in deren Freund Philipp erzählt- einem eigentlich relativ normalem Leben einer 15-Jährigen, und der Gegenwart, in der sie probiert, sich zwischen Gesprächen mit der Polizei und dem Psychologen Gernot Uhde ein neues Leben aufzubauen. Die Story ist erschreckend und berührend zugleich und bringt einen wirklich zum Nachdenken, scheinen einem die Gründe für diesen Amoklauf relativ nichtig und klein, und können trotzdem so eine Katastrophe auslösen. Gerade zur jetzigen Zeit mit vielen Amokläufen in den USA schockiert einen dieses Buch, zeigt es doch, wie viel Mobbing in Schulen und soziale Erniedrigung einen Menschen beeinflussen können. Am Ende des Buches und auch oft zwischendurch musste ich echt kämpfen, um die Tränen zurückzuhalten. Zusammen mit der Aktualität des Themas ist das Buch total ergreifend.

 

Charaktere:

Alessa ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, neu in der Stadt und froh, dass sich Vicky mit ihr anfreundet und sie zusammen Spaß haben. Dass sie sich in Philipp verliebt und dieser sich auch in sie, wollen sie erst verheimlichen, da Vicky und Philipp zusammen sind. Zu einem klärenden Gespräch mit Vicky kommt es nie, da Ulf vorher Amok läuft. Dieser tut Alessa leid, aber sie ist genervt von ihm und versteht in einfach nicht. Dass er durch ihre Zurückweisung zur Pistole greift und auch sie verletzt, schockiert sie so sehr, dass sie in ein künstliches Koma versetzt wird. Nach dem Aufwachen geht es ihr echt schlecht und man leidet  mit ihr, als man erfährt, was Ulf getan hat. Sie tut einem richtig leid, trägt sie ja eigentlich keine Schuld, wird aber trotzdem teilweise verurteilt, besonders von Vicky, die nicht mehr mit ihr reden will.

Mit Ulf hatte ich die meiste Zeit nur Mitleid. Klar ist es hart, dass er zur Waffe greift, einen Mitschüler tötet, der ihm nie was getan hat, und zwei andere verletzt, aber man kann es doch nachvollziehen. Von allen anderen zurückgewiesen, stützt er all seine Hoffnungen auf Anerkennung und Freundschaft und vielleicht sogar Liebe auf Alessa, der das Ganze unangenehm und unheimlich ist, und die ihn schließlich abweist. Das muss echt verletzend sein und schlecht fürs Selbstwertgefühl. Deshalb sehe ich ihn in dieser Geschichte nicht nur als Täter, sondern zugleich auch als Opfer.

Vicky ist mir mit ihrer verrückten Art total sympathisch. Sie fand ich in der Story am Überzeugendsten mit ihrem Liebesglück und später Liebesunglück. Ihre erstmalige Abneigung Alessa gegenüber nach dem Amoklauf ist durch und durch verständlich und deshalb ist es umso schöner, als sie ihr dann doch verzeiht. Ihr Leiden kann man richtig mitfühlen.

Philipp kommt nett und süß rüber, hat er sich doch schwer in Alessa verliebt, macht sich aber viele Gedanken um seine Freundin Vicky. Er ist so ziemlich der Einzige in der Klasse, der Ulf, der ein Jahr wiederholt, nicht ärgert und beleidigt. Deshalb finde ich seine Geschichte umso trauriger.

Gernot Uhde ist Alessas Therapeut und hilft ihr ungemein, sich wieder im Leben zurechtzufinden. Er rät ihr, Vicky im Krankenhaus zu besuchen und die Monate vor dem Amoklauf, also Alessas Bekanntschaft mit Ulf und ihr Einleben in der neuen Schule, aufzuschreiben, um über das Ereignis hinwegzukommen und um zu verstehen, dass sie keine Schuld für das trägt, was Ulf getan hat. Er hat eine sehr verständnisvolle und freundliche Art, drängt Alessa aber auch dazu, über die Zeit vor dem Amoklauf nachzudenken. Meiner Meinung nach hat er Alessa von allen Charakteren am meisten dabei geholfen, die Tat und Alessas Trauer zu verarbeiten.

Schreibstil:

Ein sehr angenehmer Schreibstil und leicht zu lesen, der es trotzdem schafft, die Gefühle der Protagonisten richtig rüberzubringen und der Geschichte Tiefe zu geben. Besonders die immer wieder eingegliederten Zeitungsartikel über den Amoklauf, Polizeiberichte, Vernehmungsberichte und Mails von Alessa an ihre beste Freundin oder an Gernot Uhde machen das Buch spannend und erzählen einen Großteil des Amoklaufes und von Alessas Gefühlen.

 

Cover:

Sehr schlicht und einfach zum Buch passend.

Fazit:

Ein Buch, das einen tief berührt und einen zum Nachdenken bringt. 5 von 5 Punkten.

 

 

Über die Autorin:

WP_20131109_004Brigitte Blobel wurde 1942 in Hamburg geboren. Erst studierte sie englische und französische Literatur, später dann Politik und Theaterwissenschaften. Sie schreibt Drehbücher für Film und Fernsehen und Romane für Jugendliche und Erwachsene. Sie gilt als eine der beliebtesten deutschen Autorinnen.

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